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Lernen ohne Einheitsformat / 04

Wenn Lernen feststeckt: gemeinsam weiterkommen.

Gemeinsam Probleme lösen · 6 Min. Lesezeit · MINTH

Finn erklärt eine Skizze am Tisch in der Holzwerkstatt. Eine Lernbegleiterin sitzt auf gleicher Höhe und hört aufmerksam zu.
Illustratives KI-Motiv aus der MINTH-Bildwelt.

Der Lernbeginn ist vereinbart. Trotzdem klappt es wieder nicht. Eine ruhige Frage kann ein Gespräch öffnen: Was macht diese konkrete Situation für dich schwierig?

Gesprächsimpuls ausprobierenSituation mit Lars besprechen

Bei einer Situation anfangen.

«Die Hausaufgaben klappen nie» ist noch sehr allgemein. «Mit den Matheaufgaben nach dem Abendessen anfangen» beschreibt eine konkrete Situation, die ihr gemeinsam betrachten könnt. Vielleicht ist der Auftrag unklar, der Übergang schwierig oder der Tag bereits anstrengend. Das sind zunächst Möglichkeiten. Was tatsächlich dahintersteckt, erfahren wir im Gespräch.

Bei MINTH nutzen wir dafür Prinzipien der gemeinsamen, vorausschauenden Problemlösung. Unsere Hauptreferenz ist Collaborative & Proactive Solutions (CPS) nach Ross W. Greene. Wir verbinden diese Prinzipien mit unserer pädagogischen Arbeitsweise Areté: Signale sammeln, Muster verstehen und einen passenden Schritt im Alltag erproben.

Drei Schritte im Gespräch.

  1. 01

    Deine Sicht verstehen.

    Was ist an dieser Situation schwierig? Wir hören zu und fragen nach, bis die Sorge der lernenden Person verständlich ist. Eine mögliche Lösung darf warten, solange wir das Anliegen noch nicht verstanden haben.

  2. 02

    Das andere Anliegen klären.

    Auch Eltern, Lehrkräfte oder Lernbegleitende bringen ein Anliegen ein. Zum Beispiel: Die Aufgabe soll rechtzeitig bearbeitet sein, damit offene Fragen vor dem Unterricht sichtbar werden. Beide Perspektiven bekommen Raum.

  3. 03

    Eine gemeinsame Lösung finden.

    Welche Vereinbarung berücksichtigt beide Anliegen und lässt sich tatsächlich umsetzen? Wir wählen einen überschaubaren Versuch und vereinbaren, wann wir gemeinsam auf die Erfahrungen zurückschauen.

Diese Gesprächsfolge orientiert sich an Greenes Plan B. Das Gespräch findet möglichst zu einem ruhigen Zeitpunkt statt. Wenn gerade alles zu viel ist, kann eine Pause helfen, bevor ihr das Problem besprecht.

So könnte ein Gespräch aussehen.

Ein fiktives MINTH-Beispiel

Lernbegleitung: «Mir fällt auf, dass der Einstieg in Mathe nach dem Abendessen schwierig ist. Was ist dann für dich los?»

Lernende Person: «Ich bin müde. Und ich weiss bei der ersten Aufgabe nicht, was ich machen soll.»

Lernbegleitung: «Du bist erschöpft und der Anfang ist unklar. Habe ich das richtig verstanden?»

Erst wenn das Anliegen verstanden ist, kommt die andere Perspektive hinzu. Hier könnte sie lauten: «Mir ist wichtig, dass wir offene Fragen rechtzeitig bemerken.»

Eine gemeinsam entwickelte Vereinbarung könnte sein: Nach einer selbst gewählten Ruhephase liest die lernende Person die erste Aufgabe und markiert, was unklar ist. Danach schauen beide kurz darauf. Sie prüfen am vereinbarten Tag, ob dieser Ablauf passt.

Das Beispiel ist eine mögliche Gesprächssituation und kein vorgegebenes Rezept. Eine Lösung passt erst dann, wenn sie für die Beteiligten realistisch ist.

Dein Weg, dich mitzuteilen.

Du kannst Zeit zum Antworten brauchen. Vielleicht ist Schreiben oder Zeichnen leichter als ein spontanes Gespräch. Oder ein vertrauter Ort hilft dir. Wir vereinbaren gemeinsam, wie du deine Sicht einbringen möchtest.

Das gilt für autistische Menschen, Menschen mit ADHS oder AuDHD und neurotypische Lernende. Ausgangspunkt sind deine Erfahrungen und die konkrete Situation. Auch in der Academy kann eine solche gemeinsame Klärung bei Projektstart, Gruppenarbeit oder Lernorganisation eingesetzt werden. Die fachlichen Anforderungen werden dabei mitbesprochen.

Welche Fähigkeiten dabei gefragt sind.

Think:Kids beschreibt in seinem eigenständigen CPS-Ansatz fünf Bereiche von Denkfähigkeiten, darunter Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis, Selbstregulation, Kommunikation, kognitive Flexibilität und soziales Verstehen. Das ist eine ergänzende fachliche Perspektive. Wir leiten daraus keine Diagnose und keine feste Ursache für ein einzelnes Lernproblem ab.

Forschung zu CPS berichtet unter anderem Verbesserungen der elternberichteten exekutiven Funktionen nach einer zwölfwöchigen Familienbegleitung. Die untersuchte Begleitung ist nicht mit diesem Gesprächsimpuls gleichzusetzen. Für unsere eigene Adaption prüfen wir zunächst, ob die vereinbarte Lösung im Alltag trägt.

Ein Gespräch für euren Alltag.

Wählt eine ruhige Gelegenheit und eine einzige wiederkehrende Situation. Die folgenden Fragen sind ein eigener MINTH-Praxisimpuls:

  1. Welche Situation möchten wir verstehen?
    Beschreibt möglichst genau, wann und wobei es schwierig wird.
  2. Was ist jeder beteiligten Person wichtig?
    Hört zunächst zu. Fragt nach, bevor ihr Lösungen vorschlagt.
  3. Was möchten wir gemeinsam ausprobieren?
    Die Vereinbarung soll beide Anliegen berücksichtigen und machbar sein.
  4. Wann schauen wir wieder darauf?
    Haltet fest, was geholfen hat und was ihr noch verändern müsst.

Wenn der Versuch nicht trägt, nehmt das Gespräch wieder auf. Vielleicht fehlt noch eine Information oder die Vereinbarung braucht eine Anpassung.

Gemeinsam an deiner Situation arbeiten.

In der Lernbegleitung können wir wiederkehrende Schwierigkeiten gemeinsam verstehen und passende Vereinbarungen erproben. Ein Lernlagebild kann vorher helfen, wenn die Ausgangslage noch unübersichtlich ist.

Lernbegleitung kennenlernenLernlagebild ansehen

MINTH-Werkstattadaption mit eigenen Beispielen und Materialien. Hauptreferenz: CPS nach Ross W. Greene. Think:Kids und die genannte Studie werden als ergänzende Quellen ausgewiesen.

Zur ReiheLernbegleitung ansehen

Persönlich anfangen

Dein nächster Schritt darf klein sein.

Schreib Lars kurz, worum es geht und was du dir wünschst. Gemeinsam klärt ihr, welcher Einstieg passt.

Anliegen besprechen